Alte Fachwerkhäuser, in denen das Bergische Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe untergebracht istDas Bergische Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe ist auch von außen schon eine Schau.

Vor den Toren Kölns findet sich so manch historisches Schätzchen, das zu entdecken sich lohnt. Nur etwa 15 Kilometer von der größten nordrhein-westfälischen Metropole entfernt liegt Bensberg. Heute ist Bensberg vor allem für das gleichnamige Schloss bekannt. Doch seine Geschichte reicht zurück bis ins Mittelalter. Wirtschaftshistorisch interessant wird die Region ab dem 18. Jahrhundert. Das Bergische Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe zeichnet in seiner Ausstellung die wirtschaftliche Entwicklung Bensbergs nach. Der erste Teil widmet sich dem „Leben und Arbeiten im Bergischen“.

Blick ins Außengelände des Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg

Schlossbau und Handwerk

Betritt man den ersten Raum des Museums-Rundgangs, so fällt der Blick als erstes auf ein großes Modell des Schlosses Bensberg, das heute noch seine schneeweißen Mauern über die Stadt erhebt. Präziser sollte man schreiben: Das neue Schloss. Denn auch, wenn die Region wirtschaftlich damals noch wenig Bedeutung hatte, gab es hier auch vorher schon eine Burganlage, die heute in Abgrenzung zum Schloss Bensberg als das „Alte Schloss“ bezeichnet wird.

Ein maßstabsgetreues Modell des Schloss Bensberg im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Ein maßstabsgetreues Modell des Schloss Bensberg nimmt die ganze Mitte des ersten Raums im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg ein.

Während das Alte Schloss noch eine Burganlage im Sinne einer mittelalterlichen Wehrburg gewesen ist, verfolgte das neue Schloss Bensberg andere Zwecke. Wie in weiten Teilen Europas lösten auch im Bergischen Land im Barock (ca. 1600 – 1750) prachtvolle Residenzschlösser allmählich die Wehrburgen ab. Sie dienten nicht mehr der Verteidigung, sondern der Repräsentation und dem ästhetischen Vergnügen.

Ein verzierter Balken in Form eines Löwenwesens hängt von der Decke
Dieser wunderschöne verzierte Balken war einst im Schloss Bensberg verbaut.

Mit dem Bau des Schlosses beginnt der Rundgang des Bergischen Museums für Bergbau, Handwerk und Gewerbe. In der Mitte des Raumes befindet sich ein großes, maßstabsgetreues Modell des Bensberger Schlosses. Daran anknüpfend fokussiert sich dieser Raum auf den Bereich „Handwerk“. Es werden verschiedene Berufe vorgestellt, die alle in irgendeiner Weise am Bau beteiligt waren. Es beginnt mit denjenigen, die für die Beschaffung der Rohstoffe zuständig sind, wie Holzfäller oder Steinbrecher. Dann folgen die Berufe, die den Rohstoff weiterverarbeiten, wie Ziegelbäcker, Tischler, Steinmetze oder Kalkbrenner. Und schließlich kommen die Berufe, die letztlich den Bau ausführen, also Maurer, Zimmerleute oder Dachdecker.

Maurerwerkzeuge im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Hier werden die verschiedenen am Schlossbau beteiligten Handwerke erklärt und jeweils einige typische Werkzeuge des Berufsstandes im 18. Jahrhundert gezeigt – hier die des Maurers.

Für jeden vorgestellten Beruf werden ein oder zwei exemplarische Objekte präsentiert, typische Geräte, die sie für ihre Tätigkeit brauchten. Dazu gibt es zu jedem Beruf eine Texttafel, die den Beruf erklärt. Weitere Tafeln mit der Geschichte des Baus sowie der Bauverantwortlichen ergänzen die Berufsdarstellungen.

Eine Metallskulptur eines Engels, der einen Drachen an einer Kette hält, Bergisches Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg

Holzverarbeitung und Zimmerleute

Der nächste Raum des Rundgangs widmet sich noch einmal etwas ausführlicher den holzverarbeitenden Berufen, die im Bergischen Land eine wichtige Rolle spielten. Hier geht es nicht nur um das Handwerk an sich, sondern auch ihre Einbindung in den Lebensraum Dorf und die Traditionen, die sich um einen Beruf herum entwickeln.

Wir erfahren, dass die Baumstämme früher mit Rückepferden aus dem Wald transportiert wurden – sehr vereinzelt gibt es das übrigens heute sogar noch, vor allem in sehr unwegsamen Geländen. Im Gegensatz zu den schweren, modernen Maschinen verdichten Pferde den Waldboden nicht so stark und schädigen das empfindliche Ökosystem dadurch weniger.

Eine lange Säge vor einem Schwarz-Weiß-Foto, auf dem ein Waldarbeiter und ein Rückepferd zu sehen sind.
Einige typische Werkzeuge eines vormodernen Holzfällers, dahinter sehen wir ein Foto von einem Waldarbeiter mit einem Rückepferd.

Eine Wand widmet sich dem Zimmermannshandwerk und seinem Brauchtum, wozu auch die traditionellen Richtsprüche der Zimmerleute gehören. Diese sagen sie auch heute noch beim Richtfest eines Hauses auf. Die Aufnahme eines solchen Spruches – natürlich im Bensberger Dialekt – kann man sich hier auch anhören.

Zimmermannswerkzeuge im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Zimmermannswerkzeuge im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg

Außerdem sehen wir einen verzierten Türbalken mit einer frommen Inschrift, wie sie früher üblich waren. Ein Modell des Dorfes Kaltenbroich – heute ebenso wie Bensberg ein Ortsteil von Bergisch-Gladbach – rundet den Raum ab und zeigt den Lebensraum der Menschen, wie er vor der Industrialisierung prägend für die Region war.

Ein Modell des Dorfes Kaltenbroich im Bergischen Land, im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Ein Modell des Dorfes Kaltenbroich

Leben und Arbeiten

Dies leitet auch zu den nächsten Teilen der Ausstellung über, in der es nun tatsächlich um das Lebensumfeld, den Alltag und die Lebensbedingungen der Menschen in der vorindustriellen Zeit im Bergischen Land geht. Wir treten unter dem verzierten Türbalken durch und gelangen in die Küche eines dörflichen Hauses.

Ein verzierter Türbalken im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Verzierte Türbalken mit Inschriften wie dieser hier waren typisch im Bergischen Land.

Herzstück der rustikal und schlicht eingerichteten Küche ist der schematische Nachbau eines Kamins, auf dem verschiedene Küchenutensilien platziert sich: Kochtöpfe, Pfannen, Backformen, Suppenkellen und mehr – alles aus Metall.

Blick in die Küche im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Ein Blick in eine vormoderne Küche mit Feuerstelle, einfachen Regalen und Wandbords, die Platz für den Hausrat boten

Darüber ein Bord mit tönernen Krügen und Schalen. So erhält man einen ganz guten Einblick in das Kücheninventar eines einfachen Haushalts im 19. Jahrhundert. Möbliert ist der Raum eher spärlich: Ein Vitrinen-Eckschrank, ein klappbarer Tisch und ein hölzernes Wandregal, in dem Teller untergebracht sind, dazu eine große, massive, hölzerne Truhe.

Vitrinen-Eckschrank im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg

Zentral für das Funktionieren des Haushalts ist die Wasserversorgung. Hier sind zwei Beispiele zu sehen. Der Regelfall war, dass Eimer mit Wasser von einem Brunnen oder einer Wasserpumpe im Freien ins Haus getragen wurden. Als Besucher kann man hier selbst einmal ausprobieren, wie es sich anfühlte, zwei volle Wassereimer mittels einer Stange über dem Rücken tragen zu müssen. Nicht sehr angenehm, zumal dies vermutlich meist nicht nur einmal am Tag geschah.

Blick in die Küche mit Wasserpumpe
Die Wasserpumpe in der Ecke mit dem Spülstein bot bereits eine gewisse Alltagserleichterung.

Eine große Erleichterung im Alltag waren daher die ersten Wasserhähne. Im Museum wird ein Exemplar gezeigt, wobei man hier noch nicht von fließendem Wasser sprechen kann. Vielmehr war auch dies eine handbetriebene Pumpe, die das Wasser aus dem Hahn und direkt in das steinerne Spülbecken fließen ließ. Meine Oma, die Jahrgang 1929 war, sagte zum Spülbecken tatsächlich immer noch „Spülstein“ – hier sieht man, worin das seinen Ursprung hat.

Eine Frau, die einen Holzbalken über den Schultern trägt, an denen an jeder Seite ein Plastikeimer befestigt ist
Zwei volle Wassereimer können ganz schön schwer werden, auch wenn ich auf dem Foto noch recht entspannt aussehe…

Im nächsten Raum wird es dann gemütlich: Wir gelangen in die Stube des Hauses. Der Blick fällt auf ein hölzernes Himmelbett mit karierten Vorhängen. Daneben steht ein Ofen, in der Mitte des Raumes einige Stühle an einem erneut klappbaren Tisch.

Blick in eine Wohnstube mit Schrank, Tisch, Sitzmöbeln und eine Wanduhr
Der große Schrank bot Platz für Hausrat, ansonsten konnte hier eine Familie zusammen sitzen und den Feierabend verbringen.

Ein aufgeschlagenes Buch auf dem Tisch zeigt, dass dieser Raum wohl sowohl dem Schlafen als auch dem Wohnen diente. Ein großer, massiver Holzschrank bietet Platz für weiteres Hausinventar, eine weitere große Truhe vermutlich für Kleidung und Heimtextilien. Mehrere Kruzifixe und ein kleiner Schrein mit einer Heiligenfigur illustrieren die große Bedeutung der Religion.

Ein aufgeschlagenes Buch und eine Brille liegen auf einem Holztisch

Wir erhalten auch einen Hinweis darauf, wer hier gewohnt haben könnte: Am Bett hängt eine schwarze Bergmannstracht, auf dem Bett liegt auch die dazugehörige Kopfbedeckung. Denn, wie der Name des Museums schon andeutet: Das Bergische Land war eine Bergbauregion – dazu später mehr.

Blick in eine Schlaf-Wohnstube mit einem Bett und einer Bergmannsuniform im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Eigentlich ganz gemütlich: Blick in eine Schlaf-Wohnstube, offenbar hat hier eine Bergmanns-Familie gewohnt.

Textilproduktion

In den nächsten Abschnitten des Rundgangs dreht sich alles um die Textil- und Kleiderherstellung. Heute denken wir ja gar nicht darüber nach. Wir gehen ins Geschäft, oder bestellen bei einem der einschlägigen Online-Händler, und haben dann Kleidung zuhause, die wir oft nur wenige Jahre oder in manchen Fällen vielleicht sogar nur eine Saison tragen. Meistens sind diese Kleider irgendwo billig in Fernost produziert und werden auch bei uns so günstig verkauft, dass es sich oft gar nicht lohnt, sie zu reparieren, wenn sie kaputt gehen. „Fast Fashion“ wird auf vielen Ebenen und zu Recht kritisch diskutiert, angefangen beim Thema Nachhaltigkeit bis hin zur sozialen Verantwortung, wenn man bedenkt, unter welch prekären und teils gefährlichen Bedingungen die Menschen in den Produktionsländern unsere Klamotten produzieren.

In vormodernen Gesellschaften dagegen hatte Kleidung einen völlig anderen Stellenwert. Niemals wäre ein Kleidungsstück einfach weggeworfen worden, nur weil es ein Loch hatte oder es einem nicht mehr gefiel. Warum das so war, wird in den nächsten Räumen des Museums deutlich.

Ein Kammwerkzeug zur Verarbeitung von Flachs im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Es brauchte viele Arbeitsschritte, bis aus einer Flachspflanze ein Kleidungsstück werden konnte: Das Flachs musste zunächst von allen harten Bestandteilen befreit werden, bevor man es weiterverarbeiten konnte.

Kleidung zu produzieren war einfach unfassbar aufwändig. Alles begann mit dem Rohstoff. Baumwolle spielte damals noch eine untergeordnete Rolle. Zwar war sie bereits seit dem Mittelalter in Europa bekannt, wurde jedoch erst während der Industrialisierung in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Deutschland ein Massenprodukt. Zuvor war sie teuer. Neben Wolle bildete daher vor allem Flachs den Hauptrohstoff, aus dem die Menschen Kleidung fertigten.

Spinnräder im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Die nun weichen Flachsfasern wurden mit Hilfe solcher Spinnräder zu Fäden und dann zu Garn versponnen.

Zwar waren seit dem Hochmittelalter spezialisierte, textilverarbeitende Berufe wie der des Webers oder des Tuchmachers etabliert. Jedoch war die Stoff- und Kleiderproduktion gerade im ländlichen Raum noch lange eine Nebentätigkeit – manchmal auch eine kleine Nebenerwerbstätigkeit -, die vor allem in den Wintermonaten ausgeübt wurde. Neben Wolle war Flachs der wichtigste Rohstoff für Kleidung. Im Bergischen, so erfahren wir auf einer Tafel, war es sehr üblich, dass jeder Hof sein eigenes kleines Flachsfeld besaß. Diese lieferte nicht nur Flachsfasern, sondern auch Leinsamen, aus dem man z.B. Öl herstellen konnte. Bis man von der Pflanze zum fertigen Hemd kam, dauerte es viele Arbeitsstunden. Allein 25 verschiedene Arbeitsgänge, so heißt es auf der Tafel, seien allein notwendig gewesen, um die Flachsfaser zu gewinnen und für das Verweben vorzubereiten.

Aufgewickelte Garne auf großen Rädern im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Die fertigen Garne wurden aufgewickelt.

Mit verschiedenen Verfahren wie Schwingen, Hecheln und Risten befreite man das Flachs von sämtlichen harten, holzartigen Anteilen, bis schließlich nur noch die weiche Faser übrigblieb. Diese musste nun erst einmal zu einem Faden und dann zu Garn versponnen werden. Verschiedene Spinnräder sind im Museum ausgestellt. Dies war in der Regel die Aufgabe der Frauen. War das Garn nun fertig gesponnen, musste es ebenfalls in mühsamer Handarbeit auf einem großen Webstuhl zu Leinen gewoben werden.

Ein großer Webstuhl im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Schließlich mussten die Garne zu Stoff gewoben werden. Dazu kamen z.B. große mechanische Webstühle wie dieser hier zum Einsatz. Es gab aber auch einfachere Webstühle oder Webrahmen.

Dieser Stoff wurde dann oft noch gefärbt, was ein weiterer Arbeitsschritt war, ehe man ihn endlich zuschneiden und Kleidung daraus schneidern konnte. Üblicherweise besaßen die Menschen eine gröbere Alltagskleidung, die sie für die tägliche Arbeit trugen, und eine gute Sonntagskleidung. Diese war feiner gearbeitet, vielleicht noch bestickt und verziert, von besserer Qualität und wurde folglich auch nur zu besonderen Gelegenheiten getragen: sonntags in der Kirche, bei Feierlichkeiten, usw. Beide Varianten sind im Bergischen Museum zu sehen.

Verschiedene historische Kleidungsstücke
Aufwändige Arbeit, doch am Ende stand ein fertiges Kleidungsstück – auch feine Kleider wie dieser verzierte Umhang, der vermutlich Teil einer Sonntagstracht war.

Macht man sich klar, was für eine Heidenarbeit in vormodernen Zeiten in einem einzelnen Kleidungsstück steckt, so ist es nicht verwunderlich, dass Kleidung früher sehr teuer war und eine viel größere Wertschätzung erfuhr. Kleidung wurde immer wieder repariert, bis sie wirklich nicht mehr tragbar war. Und selbst dann warf man sie nicht einfach weg. Alte Textilien bildeten lange Zeit den Rohstoff für die Papierherstellung, und so gab es Lumpensammler, die alte Kleidung aufkauften und diese an Papiermühlen weiter vertrieben. Wen dieser Aspekt näher interessiert, dem sei das Freilichtmuseum Hagen empfohlen, wo diese Prozesse ausführlich erklärt und ausgestellt werden.

Bergbau im Bensberger Erzrevier

Der Rundgang geht jetzt im Obergeschoss weiter und hier dreht sich alles um den Bergbau. Denkt man an die großen, historischen Bergbauregionen im deutschsprachigen Raum, fallen einem oft vor allem das Ruhrgebiet, das Saarland oder natürlich auch das Erzgebirge ein. Neben diesen bekannten Montanregionen wurde aber auch in vielen anderen Gegenden Bergbau betrieben. Im Bergischen wurden vor allem Eisen, Blei, Silber und Zink abgebaut. Im 18. und 19. Jahrhundert hatte das Bensberger Erzrevier seine bedeutendste Zeit und war maßgeblich an der wirtschaftlichen Entwicklung der Region beteiligt. Einige im Museum gezeigten Ausrüstungsgegenstände von Bergleuten – sogenanntes Gezähe – gehen sogar bis ins 13. Jahrhundert zurück, ein Anzeichen, dass auch im Mittelalter hier schon Bergbau betrieben wurde.

Bergbau-Utensilien im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg

Im Obergeschoss stößt man zunächst auf eine Auslage von Produkten, die aus Zinkblei bestehen – also einer Legierung aus Blei und einem anderen Metall. Es gibt Zinkwannen, Einkochtöpfe – über die gesundheitsschädlichen Auswirkungen machte man sich wohl damals noch keine Gedanken –, Kohletöpfe, Trichter, Wärmflaschen und vieles mehr.

Verschiedene Objekte aus Zinkblei im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Alle möglichen Alltagsgegenstände fertigten die Menschen aus Zinkblei – vermutlich nicht immer sehr gesundheitsfördernd.

Die Ausstellung zum Bergbau behandelt sowohl die technischen Aspekte, als auch den Arbeitsalltag der Bergleute. Wer sich für den genauen Aufbau der Gruben interessiert, sollte einen Blick auf die Querschnitt-Darstellungen der Grube Lüderich legen. Die Grube Lüderich gilt als das bedeutendste Bergwerk des Bensberger Erzreviers. Wir lernen hier außerdem weitere Berufe kennen, die mit dem Bergbau zu tun hatten, denn für ein funktionierendes Bergwerk brauchte es mehr als die Bergleute, die den Rohstoff abbauten.

Wichtig war z.B. der Beruf des Markscheiders, den es schon seit dem Mittelalter gibt. Dies ist ein Vermessungsingenieur, der speziell für den Bergbau ausgebildet ist. Seine Aufgabe ist es, die bergbaubezogenen Geoinformationen zu erfassen und sie risslich oder kartografisch darzustellen. Dies war unverzichtbar für das Anlegen eines Bergwerks oder das Abteufen neuer Schächte und Gruben. Sonst hätte man sonst „blind“ gegraben und nicht gewusst, wie das Kohleflöz oder die Metallader verläuft. In den Vitrinen sind einige der Instrumente ausgestellt, die er für seine Arbeit brauchte und auch ein Notizbuch, in dem er seine Erkenntnisse festhielt.

Ein historisches Notizbuch eines Markscheiders, im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Dieses Notiz- und Observationsbuch gehörte einem Markscheider in der Grube Weiss bei Moitzfeld (nahe Bensberg). In diesem hielt er seine Vermessungen fest.

Ein großes Thema im Bergbau ist immer die Belüftung. Ohne Sauerstoff wird es schnell „zappenduster“, wie wir im Ruhrgebiet sagen. Im Museum ist ein Gerät ausgestellt, das aussieht wie ein überdimensionaler Blasebalg. Es ähnelt denen, die man zum Anfachen eines Schmiedefeuers nutzte, nur viel größer. Mit diesen war es möglich die Schächte in vorindustrieller Zeit mit Frischluft zu versorgen. Natürlich waren die Schächte zu dieser Zeit nicht so tief wie beispielsweise später im Steinkohlenbergbau im Ruhrgebiet, wo die Schächte auch schon mal 1000 Meter und mehr unter der Erde liegen konnten.

Ein großer Blasebalg zur Belüftung von Bergbaustollen im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Mit solchen Geräten pumpte man früher Frischluft in Bergbau-Stollen.

Ein weiteres Thema ist Licht, denn unter Tage ist es natürlich dunkel. Grubenlampen waren lange Zeit die hauptsächliche Lichtquelle. Auch wenn die gefürchteten Schlagwetterexplosionen hauptsächlich im Steinkohlenbergbau vorkamen, verbrauchen Leuchtquellen mit offenem Feuer viel Sauerstoff. Daher hielt man die Lichtquellen eher klein. Das sorgte aber auch dafür, dass die gefährliche Arbeit unter Tage mehr oder weniger im Dunkeln stattfand.

Eine Sammlung verschiedener Grubenlampen vor einem großen Schwarz-Weiß-Foto von Bergleuten
Eine Sammlung verschiedener Grubenlampen, bergmännisch: Geleucht, vor einem Foto von Bergleuten

Besucherstollen

Im Untergeschoss wird das Thema Bergbau weiter vertieft. In einem nachgebauten begehbaren Besucherstollen bekommen die Besucher einen kleinen Eindruck von der Arbeit unter Tage.

Eingang zum Besucherstollen im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Der Eingang zum Besucherstollen im Untergeschoss des Museums

Zu sehen sind hier unter anderem schwerere Abbaumaschinen, Bohrer, aber auch Sprengvorrichtungen. Die meisten der gezeigten Gerätschaften stammen aus der bereits erwähnten Grube Lüderich.

Schild mit der Aufschrift "Vorsicht Sprengung - bitte nicht berühren"

Das Setting im Besucherstollen zeigt eher den Bergbau im 20. Jahrhundert, aus der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Das zeigt sich neben den moderneren Gerätschaften z.B. auch an Warnschildern, die in mehreren Sprachen, u. a. Italienisch und Türkisch gehalten sind, um auch die internationalen Gastarbeiter in ihren Muttersprachen anzusprechen. Die Besucher bekommen im Anschauungsbergwerk auch einen Eindruck vom Stollenausbau.

Nachgebauter Bergbaustollen im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
In diesem nachgebauten Stollen bekommt man einen Eindruck vom Stollenausbau mit Holz.
Metallenes Gefäß, das als Toilette diente
Natürlich darf in keinem Besucherbergwerk der Abort fehlen….

Das 20. Jahrhundert besiegelte dann aber wie in anderen deutschen Montanregionen auch im Bensberger Erzrevier das Ende des Bergbaus. Infolge der Autarkiepolitik des NS-Regimes erfuhr es in den 1930er Jahren noch einmal einen Aufschwung.

Lore mit Zugmaschine im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg

1978 schloss dann das Bergwerk Lüderich und eine lange Bergbautradition im Bergischen ging zu Ende. Neben dem Museum gibt es heute auch noch Bergbau-Wanderwege in der Region, die diese Geschichte erlebbar machen.

Gelbes Warnschild mit einem Warnhinweis in Deutsch, Italienisch, Spanisch, Griechisch und Türkisch
Dieses Warnschild stammt, wie man an dem Hinweis in verschiedenen Sprachen entnehmen kann, aus der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als es bereits viele Gastarbeiter im deutschen Bergbau gab.

Außenbereich mit Bauerngarten und Werkstätten

Vom Ende des Besucherstollens gelangen wir nun in den Außenbereich des Museums. Hier gehen wir zunächst vorbei an einer Schienenbahn, wie sie unter Tage zum Transport der Erze eingesetzt wurde.

Zugmaschine mit mehreren Loren im Außenbereich des Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Diese Zugmaschine mit mehreren Loren steht im Außenbereich des Museums, zu dem man am Ende des Besucherstollens gelangt.

Nun haben wir zwei Möglichkeiten: Rechts herum geht es zum Bauerngarten, dem man auf jeden Fall mal einen kleinen Besuch abstatten kann. Oder man läuft direkt den Abhang herunter und gelangt so zu den Werkstätten.

Herbstlich verfärbte Bäume, davor ist ein Teil eines Gartens zu erkennen
Der Bauerngarten im Außenbereich des Bergischen Museums für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg

Hier stehen verschiedene kleine Fachwerkhäuschen, in denen Arbeitsplätze untergebracht sind: Unter anderem gibt es eine Schmiede und eine Bäckerei, aber auch eine voll funktionsfähige Bandweberei kann man hier besichtigen.

Fachwerkhaus mit einer Stellmacherei
Eine Stellmacherei – hier wurden Wagenräder hergestellt.
Blick in eine Schmiede im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Blick in die Schmiede

Im Außenbereich befindet sich auch das Trauhaus, denn man kann im Museum auch heiraten. Ebenfalls schön: Im Zentrum der Grünanlage befindet sich der sogenannte Baum der Religionen: Er vereint sieben heimische Apfelsorten und ist ein Symbol für Toleranz und ein friedliches Miteinander.

Blick ins Außengelände mit Fachwerkhäusern

Fazit

Das Bergische Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe ist eine Mischung aus klassischer Ausstellung, Anschauungsbergwerk und Freilichtmuseum. Es zeichnet sich nicht nur durch einen interessant gestalteten Rundgang aus, sondern bietet neben normalen Führungen auch Vorträge, Workshops und eine praxisnahe Vermittlung der Ausstellungsthemen an.

Blick in eine funktionsfähige Bandweberei im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Diese Bandweberei ist voll funktionsfähig.

Zudem gibt es ein jährliches Museumsfest, bei dem das traditionelle Handwerk wieder lebendig wird. Auch arbeitet das Museum mit Schulen zusammen und gestaltet Museumsprojekte mit den Kindern, etwa das Projekt Kulturstrolche, in den Drittklässler eine eigene Ausstellung mit Objekten aus dem Museum gestalten und Begleittexte dazu schreiben dürfen. Ein echt tolles Projekt! Es ist spannend, zu sehen, welche Objekte die Kinder ausgewählt haben und was sie an ihnen besonders fasziniert.

Eine historische Unterhose
Dies ist eines der Objekte aus dem Projekt „Kulturstrolche“ – die historische Unterhose hat die Kinder offenbar fasziniert…

Bereits seit 1928 gibt es dieses Museum, damals als Heimatmuseum Bensberg gegründet. Seitdem hat es sich weiterentwickelt. Die Ausstellungsräume wirken nicht überladen, es werden ausgewählte Stücke zu jedem Thema in den Vitrinen ausgestellt, oder die Objekte werden gleich in ihren Anwendungskontext gestellt, z.B. kombiniert mit Fotoaufnahmen. Ergänzt werden die Objekte durch Texttafeln, die nicht zu lang sind, vereinzelt ergänzt durch Ton- oder Videoaufnahmen, aber auch durch Mitmach-Stationen, in denen man Dinge selbst ausprobieren kann.

Ein kleines Fachwerkhaus mit einem Schild "Backhaus" im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Auch ein Backhaus gibt es im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg.

Das Bergische Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe ist ein kleines, aber sehr vielfältiges Museum, das sich sehr um die Ortsgeschichte der Bensberger Region verdient macht und diese mit viel Herzblut aufbereitet. Dazu sind die Eintrittspreise im Vergleich zu anderen Museen wirklich sehr moderat. Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall, wenn man nach Bensberg kommt und etwas über die Geschichte des Ortes erfahren möchte. Für den Besuch kann man je nach persönlicher Schnelligkeit und Sorgfalt beim Lesen von Texten etwa ein bis zwei Stunden einplanen.

Blick in eine Schmiede im Bergischen Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe in Bensberg
Blick in die Schmiede

Wer dann noch weiterziehen will: Die Bensberger Fußgängerzone, das Alte Schloss und das neue Schloss sind nur wenige Gehminuten entfernt! Außerdem gibt es mehrere Wanderwege in der Umgebung, über die man sich z.B. auch die Bergbaugeschichte der Region noch näher erschließen kann.

Von Sylvia S

Liebt Geschichte und das Reisen. Aber auch Literatur, Fußball, Gaming und Heavy Metal. Und fragt sich seit Jahren, warum es eigentlich keine Wikinger-Emojis gibt.

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